Donnerstag, 25. April 2019

Azoren - Inseltraum im Atlantik - Teil 4 Insel Faial und Pico



Faial

Nach vier Tagen heißt es nun wieder Abschied nehmen. Unsere Hoffnung, dass die Flüge nach Faial wegen Schlechtwetter gestrichen werden, erfüllt sich nicht. Die Sonne scheint warm, und nur eine laue Brise weht. Sogar die Wassertemperatur dürfte heute mehr als 22 Grad betragen.
Dementsprechend ruhig verläuft auch der kurze Flug auf die Insel Faial. 
Sie gehört mit ihren 173 km2 zu der Zentralgruppe und hat etwa 16.000 Einwohner. Bekannt ist die Insel vor allem bei Seglern, die den großen Jachthafen der Hauptstadt Horta gerne ansteuern und so ein wenig internationales Flair verbreiten. Trotzdem verläuft das Leben auch hier in geruhsamen Bahnen. Man vermutet kaum, dass Ende des 19. Jahrhunderts Faial ein zentraler Mittelpunkt des Weltgeschehens war, denn hier verbanden die ersten Unterseetelegraphenkabel Europa und Amerika.


Horta
Auf dem Weg zur Inselhauptstadt durchfahren wir eine liebliche, hügelige Landschaft mit schachbrettartigen Feldern und Wiesen. Durchbrochen wird diese grüne Oase nur durch Tupfer von blauen und rosafarbenen Hortensienhecken, die von unserem Sohn liebevoll "Hortenschen" genannt werden.



Die Stadt Horta befindet sich im Südosten der Insel und wird von zwei Buchten gesäumt, in deren Mitte ein kleiner Vulkankrater liegt. 

Wir sind überrascht welch reges Treiben hier herrscht und ergattern gerade noch einen Parkplatz. Anschließend starten wir unsere Stadterkundung beim berühmten Jachthafen.

 
Angeblich legen hier über 1.200 Boote pro Jahr an. Ein besonderes Fotomotiv bieten die Hafenmauern, die mit zahllosen bunten Malereien geschmückt sind. Jeder Segler -abergläubisch oder nicht- hinterlässt hier nämlich sein persönliches Kunstwerk, um Schutz und Glück für die Weiterreise zu erhalten.
 
Hinter der Mole beginnt das Stadtzentrum mit seinen eleganten, weiß gekalkten Gebäuden. Viele der liebevoll restaurierten Herrenhäuser stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Bekannt ist jedoch vor allem das Cafe Peter Sport, eine urige, rustikale Kultkneipe für Seebären, Gestrandete und Reisende.

Ponta dos Capelinhos
Wir folgen weiter der inselumrundenden Hauptstraße Richtung Westen. Nach mehreren Fotostopps, beispielsweise bei den Lavabögen und Grotten in der Bucht von Feteiras, erreichen wir schließlich das Gebiet von Capelinhos.

 
 Hier erwartet uns -beinahe übergangslos - eine karge Mondlandschaft. Plötzlich dringt kein einziger Grashalm mehr durch die Aschewüste, die 1957/58 durch einen Vulkanausbruch entstand. Die Eruption begann seinerzeit auf offener See, mehr als 30 Mio. Tonnen Asche und Lava wurden in die Luft geschleudert. Zahlreiche Häuser und auch der nahe gelegene Leuchtturm wurden verschüttet und zerstört. Durch diese gewaltige Naturkatastrophe verband sich die Vulkaninsel schließlich mit dem Festland, sodass Faial heute um 2,4 km2 größer geworden ist. 
Unter dem alten Leuchtturm wurde vor einigen Jahren ein sehr sehenswertes, modernes Museum eröffnet, welches speziell über den Ausbruch, aber auch über die Entstehung und Geologie der Azoren informiert.




Inselinneres
Im krassen Gegensatz dazu steht das liebliche Inselinnere, welches wir bei einer Wanderung am nächsten Tag erkunden.













Der Pfad folgt einem alten Wasserkanal ("Levada") durch dichten, urwüchsigen Wald. Wir passieren mehrere Bäche und Lichtungen und gelangen schließlich zu einer kleinen Brücke, die eine tiefe Schlucht überspannt. 

Sichtlich unbeeindruckt von diesem abenteuerlichen Landstrich weiden in der Nähe ein paar Kühe, die uns neugierig beäugen. Denn wie fast überall auf den Azoren sind wir auch hier wieder alleine unterwegs- also wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung für die Rinderherde. 
Die Levada auf Faial ist einzigartig auf den Azoren. Dieser Wasserkanal aus 1964 war einst 9,5 Kilometer lang und speiste ein Wasserkraftwerk. 1998 wurden große Teile der Anlage durch ein Erdbeben zerstört. Laut unserem Zimmervermieter zählt der fast ebene Levadaweg in heutiger Zeit zu den schönsten Wanderwegen der Insel.  


Caldeira
Ebenfalls im Landesinneren befindet sich ein weiteres Überbleibsel der früheren Naturgewalten - die riesige Caldeira. Ihr Durchmesser beträgt über 1,5 Kilometer, sie ist umgeben von 400 Meter hohen Felswänden.
Normalerweise ist es hier oben auf über 1000 Meter Seehöhe neblig und bewölkt. 
 Glücklicherweise erwischen wir jedoch eine bessere Wetterlage und können das Naturschutzgebiet mit seiner reichen Flora in voller Pracht bestaunen. Doch schon bald ziehen wieder Nebelschleier auf und die Sicht reicht gerade bis zurück zum Parkplatz. 


Botanischer Garten
Im Tal von Flamengos befindet sich der einzige Botanische Garten der Azoren. Hier auf 8000m2 Fläche werden endemische Pflanzen vorgestellt und gefährdete Gewächse gezüchtet. Wir erfahren, dass es über 70 Arten gibt, welche nur auf den Azoren vorkommen. Die überall wuchernden Hortensien, die als Wahrzeichen der Inseln gelten, wurden jedoch gegen Ende des 19. Jahrhunderts aus Asien eingeführt und stellen in heutiger Zeit eine große Bedrohung für die einheimische Flora dar. 



Pico
Für den nächsten Tag haben wir einen Ausflug auf die nur 6 km entfernte Nachbarinsel Pico geplant.
Sie ist mit 448km2 die Zweitgrößte des Archipels und beherbergt etwa 15.000 Einwohner. Beherrscht wird Pico vom majestätischen gleichnamigen Berg. Der 2351 Meter hohe Vulkan ist somit die höchste Erhebung Portugals. Meistens versteckt er sich hinter einer dicken Wolkenschicht, dann sind nur noch die steilen Flanken zu erkennen. Er ist nach wie vor aktiv und wird daher genauestens überwacht. 

Von seiner - vor allem in der Vergangenheit - regen Aktivität zeugen die schwarzen Lavaböden, die zahlreichen Höhlen und die runden Kraterseen im Inselinneren.
Auch heute noch werden die schwarzen Lavabrocken als Baumaterial für die Häuser verwendet. 


 
Eine Personenfähre bringt uns in einer halben Stunde nach Madalena, der größten Stadt der Insel. Dort angekommen besorgen wir uns gleich ein Mietauto und versuchen, wenigstens einen kleinen Teil der landschaftlich wunderschönen Insel zu erhaschen. Doch auch das umgebende Gewässer ist interessant, denn Pico zählt zu den Hotspots für Walbeobachtungen.  




Weinanbau
Wir starten unsere Rundfahrt zu Füßen des mächtigen Picos und besuchen das berühmte Weinanbaugebiet der Insel. Es wurde sogar von der UNESCO als Welterbe anerkannt. Die Rebflächen werden durch Mauern aus Lavagestein abgetrennt, welche die Weinstöcke vor Wind und salziger Gischt schützen, zudem auch die Wärme besonders gut speichern. Da auf den kleinen Parzellen keine Maschinen verwendet werden können, werden die Reben hier in mühevoller Handarbeit kultiviert. Beispielsweise wird jede einzelne reifende Traube auf einen flachen Stein gelegt. Die ersten Pflanzen wurden schon bei der Besiedlung 1460 angebaut. Einst wurde der edle Tropfen sogar bis nach Russland exportiert.

Inselinneres
Der Bilderbuchvulkan Pico beherrscht den Südwesten der Insel. Daran vorbei führt eine Höhenstraße ins einsame, unbewohnte Inselinnere. 

 
 
Das Hochland ist geprägt von zahlreichen Seen, die sich zwischen dunkelgrünen Kraterhügeln verlieren. Die zumeist wilde, ursprüngliche Landschaft gilt als wichtiges Brutgebiet für Vögel.


 










Natürlich grasen auch hier Rinder, die gerne mitten auf der Straße innehalten und sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lassen. Aber so eine Pause mitten im menschenleeren Hochland - mit sagenhafter Aussicht auf das tiefblaue Meer - ist schließlich nie verkehrt. Das Glück ist perfekt, als ich sogar noch ein vierblättriges Kleeblatt finde.



Küste
 
Schließlich geht es zurück an die Küste. Hier treffen wir wieder auf die inselumrundende Straße, die uns vorbei an einigen Dörfern und Aussichtspunkten retour nach Madalena bringt.






Vorher stoppen wir jedoch noch im Nordwesten, wo wir einen Spaziergang durch eine bizarre, schwarze Lavawüste unternehmen. Felsbögen, Lavagräben und tiefe Spalten erstrecken sich bis hin zum Meer, das mit Urgewalt gegen die Klippen brandet. Nur zögerlich bricht zartes Grün zwischen den scharfkantigen Brocken hervor.

Friedlicher gestaltet sich unsere Rückfahrt auf Faial. Im warmen Abendlicht leuchten die Häuser Hortas besonders einladend, was uns ein wenig vergessen lässt, dass wir für das wunderschöne Pico leider nur einen Tag Zeit hatten.
Weniger erfreut sind wir über den Strafzettel, den wir auf der Windschutzscheibe des am Hafen geparkten Mietautos vorfinden. Auf der nahe gelegenen Tankstelle erfragen wir daher den Weg zur nächsten Polizeistation. Wieder sind wir froh, dass hier Jeder Englisch spricht. Nach einigen Umwegen haben wir schließlich das Gebäude gefunden und begleichen die Strafe wegen Falschparkens. Für den diensthabenden Polizisten sind wir eine angenehme Abwechslung. Er gibt zu, dass die Kennzeichnung im Hafengelände äußerst schlecht ist und auch viele Einheimische nicht wissen, wo genau geparkt werden darf. Unser Sohn findet das Präsidium jedenfalls sehr interessant und würde am Liebsten das Gefängnis sehen. Soweit kommt es natürlich nicht, im Gegenteil, wir erhalten sogar noch einige Reisetipps.





Freitag, 12. April 2019

Schiederweiher - Oberösterreichs Landschaftsjuwel

Der romantische Schiederweiher nahe der Ortschaft Hinterstoder ist umgeben von der herrlichen Bergkulisse des Toten Gebirges.

Der Teich wurde zwischen 1897 und 1902 von k.u.k. Hofbaumeister Johann Schieder errichtet. Seit seiner Sanierung in den Jahren 2004 und 2005 ist er ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt.

Eine nette, familientaugliche Rundwanderung startet beim Parkplatz Schiederweiher - direkt neben der Landesstraße- und führt zuerst über den Fluss Steyr, dann leicht bergauf in den Wald in etwa 15 Minuten zum Teich.

Bei klarem Wetter spiegelt sich die majestätische Silhouette der Berge im Wasser. Ein Paradies für uns. Nach einem längeren Aufenthalt führt der Weg weiter entlang des Ostufers des Schiederweihers bis zu einer großen Wiese.




 Dort befindet sich das "Polsterstüberl" für die Einkehr zwischendurch.
Bei unserem Besuch im Winter konnte man mit einer Pferdekutsche bis hierher fahren.
Hinter dem Gasthaus biegen wir links ab und erreichen wieder die Steyr mit ihrem türkisgrünen Wasser.

Vor einem Bauernhof geht es links in den Wald, zurück zum Schiederweiher. Von dort wieder retour zum Parkplatz.

Die "Polsterlucken-Runde" ist ca 5 Kilometer lang, gut beschildert und kinderwagentauglich. 


Montag, 8. April 2019

Schottlands Falkirk Wheel


Zwischen Edinburgh und Glasgow befindet sich eine weltweit einzigartige Sehenswürdigkeit, die den Union und Forth & Clyde Wasserkanal miteinander verbindet.

Das 1800 Tonnen schwere Falkirk Wheel ist ein riesiges, 24 Meter hohes Schiffshebewerk, das 2002 eröffnet wurde.
Es besteht aus zwei übereinander angeordneten Trögen, in die die Schiffe einfahren. Anschließend wird Wasser ein- oder abgelassen, um in beiden Wannen das gleiche Gewicht (je 250 Tonnen) zu erhalten.  Nachdem die klappbaren Tore luftdicht verschlossen wurden, setzt sich das Rad in Bewegung und dreht die beiden Tröge innerhalb von 4 Minuten nach oben bzw. unten. Ein Zahnradgetriebe hält sie dabei immer waagrecht.
Für eine vollständige Umdrehung braucht der Schiffsaufzug (14.000 Schrauben wurden verbaut) nicht mehr Strom als acht Wasserkocher. 

Um das Rad in Bewegung zu erleben empfielt es sich, eine Bootstour mit einem der Ausflugsboote zu buchen. Durch das Panoramadach ist die Liftfahrt besonders spannend.
Direkt neben dem Falkirk Wheel gibt es ein Besucherzentrum, einen Kinderspielplatz und ein Restaurant.  



Samstag, 23. März 2019

Fernsteinsee - Naturparadies am Rande des Fernpasses


Eines der Naturwunder Tirols ist der auf 930 Meter Seehöhe gelegene Fernsteinsee. 

Durch sein glasklares Wasser ist er besonders bei erfahrenen Tauchern beliebt. Er zählt zu den 100 besten Tauchspots der Welt. Für Schwimmer sind die Temperaturen  zu kalt, denn sie steigen selten über 10 Grad Celsius. Nur an heißen Sommertagen ist der Sprung ins sehr kalte Nass erfrischend und sorgt für prickelnde Haut. In der restlichen Zeit können Boote ausgeliehen werden und ausgedehnte Wanderungen unternommen werden. 


Ein einfacher Weg mit besonders malerischen Ausblicken führt in etwa 3 Kilometern rund um das komplett unbebaute Seeufer. Je nach Blickwinkel leuchtet das ruhige Gewässer tiefblau bis smaragdgrün. Dazwischen heben sich grüngesprenkelte Inselchen aus dem Farbengewirr des Sees. Vervollständigt wird die wie aus einem Gemälde entsprungene Szenerie durch das schroffe Felsmassiv der Tiroler Alpen. Auf der größten Insel im See befinden sich die Reste der Sigmundsburg, eines alten Anwesens aus dem 15. Jahrhundert, das Herzog Sigmund für seine Ehefrau Eleonore von Schottland errichten ließ. Leider war der Zugang zur Insel bei unserem Besuch im August 2018 gesperrt.  Am westlichen Seeufer thront das Hotel Schloss Fernstein, zu dessen Besitz der Fernsteinsee und der daneben gelegene Samarangersee gehören. 

Den See erreicht man am Besten über einen kurzen Fussweg bergab vom Parkplatz des Schlosshotels aus. Leider führt eine Brücke der stark befahrenen Fernpassstraße unmittelbar über dem See vorbei, was die Atmosphäre etwas trübt. Hat man jedoch das Ufer erreicht, ist der Straßenlärm kaum mehr hörbar.   



Um im Fernsteinsee tauchen zu dürfen, benötigt man die Genehmigung des Schlosshotels. Diese erhält man durch mindestens 2 Übernachtungen und nach Nachweis von 80 Tauchgängen im Logbuch. Achtung, es gibt eine Füllstation am Hotelgelände, aber Flaschen können nicht ausgeborgt werden. Die nächste Tauchschule mit Flaschenverleih ist in Innsbruck.
Bei unserem Besuch war der Samarangersee leider wg. Niedrigwasser gesperrt.





Sonntag, 17. Februar 2019

Seegrotte Hinterbrühl

Die Seegrotte im niederösterreichischen Ort Hinterbrühl liegt etwa 20 Kilometer südlich von Wien.
Das ehemalige Gipsbergwerk ist für Besucher als Schaubergwerk mit einer ca. 1-stündigen Führung geöffnet.


Der Gipsabbau begann 1848, im Jahre 1912 strömte durch eine Sprengung mehr als 20 Millionen Liter Wasser durch die Gänge und Stollen. Dadurch bildete sich der größte unterirdische See Europas, der heute mit einer kurzen Bootsfahrt erkundet werden kann. 
Der 6200 m2 große See liegt etwa 60 Meter unter der Erdoberfläche und ist 1,20 m tief. Sieben unterirdische Quellen speisen den glasklaren See, natürlichen Abfluss gibt es keinen. Um den Wasserstand konstant zu halten werden jede Nacht  bis zu 60.000 Liter Wasser abgepumpt. 

Im Jahre 1932 wurde die Seegrotte erstmals als Schaubergwerk zugängig gemacht. Während des 2. Weltkrieges ist sie als unterirdische Flugzeugfabrik verwendet worden. 
1945 wurde die Fabrikseinrichtung mit Bomben komplett zerstört. 


Heute gehört die Seegrotte zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Niederösterreichs. Im Bergwerk beträgt die Temperatur ganzjährig etwa 9 Grad Celsius.

Beim Durchforsten der Stollen kann man einige Gefängniszellen entdecken. Das Bergwerk wurde allerdings nie als Kerker benutzt, es handelt sich lediglich um nicht entfernte Filmrequisiten des Films „Die drei Musketiere“aus 1993. Beeindruckend ist vor allem das goldene Boot am großen See.





 

Azoren - Inseltraum im Atlantik - Teil 4 Insel Faial und Pico

Faial Nach vier Tagen heißt es nun wieder Abschied nehmen. Unsere Hoffnung, dass die Flüge nach Faial wegen Schlechtwetter gestrich...