Nach diesem beeindruckenden Erlebnis müssen
wir Abschied nehmen, denn es geht mit dem Flugzeug weiter auf die Hauptinsel
Sao Miguel.
Nach den letzten Wochen der Stille und Einsamkeit
ist es für uns seltsam und ungewöhnlich, dass wir nun die Sehenswürdigkeiten mit
einer Handvoll anderer Touristen teilen müssen und es mehr als einen Supermarkt
zum Einkaufen gibt.
Sao Miguel ist die größte Insel des Archipels
mit etwa 62 Kilometern Länge und 16 Kilometern Maximalbreite. Auch an
Vielfältigkeit ist sie nicht zu überbieten -ein farbenfrohes Sammelsurium und
wohl das Beste aller anderen Inseln vereint auf 746,8 Quadratkilometern. .
Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich mit
Bergen, Seen, Weiden und Wäldern. Heiße Bäche, dunkle Sandstrände und brodelnde
Schlammtümpel bilden starke Kontraste.
Besiedelt wurde die Insel 1427 vom portugiesischen
Festland aus. Der fruchtbare Boden wurde zur Landwirtschaft und als Ackerfläche
genützt. Zuckerrohr, Tee, Tabak, Weizen und Ananas wurden kultiviert. In
heutiger Zeit leben hier 140.000 Menschen.
Ponta Delgada

Im lebhaften Zentrum leben etwa 21.000
Einwohner, also eine richtige Großstadt. Wir unternehmen einen
Stadtspaziergang, wo wir zahlreiche Kirchen, Paläste sowie moderne Bürotürme bewundern
können. Verspielte Fassadendetails und ein gekonnter Mix an verschiedensten
Architekturstilen erfreuen das Auge. Glücklicherweise sind große Teile der
Innenstadt Fußgängerzone, natürlich mit entsprechend schwarz-weißer
Kopfsteinpflasterung. Das Wahrzeichen von Ponta Delgada ist das fragil wirkende
Stadttor mit seinen 3 Bögen aus dem Jahr 1793. Dahinter erstreckt sich der Hafen
mit Kreuzfahrtterminal, Fähr- und Jachthafen.
Anschließend möchten wir den urwüchsigen
Stadtpark António Borges besuchen, der jedoch leider geschlossen hat. Wir
können nur einen flüchtigen Blick auf uralte Palmen und Riesenfarne erhaschen.
Südküste

Vila Franca do Campo

Natürlich besuchen wir auch die gleichnamige
kleine Insel etwa 1 Kilometer vor der Stadt, denn diese ist ein besonderer
Platz zum Baden. Das felsige Naturschutzgebiet ist aus dem Krater eines
unterseeischen Vulkans entstanden und bietet in seinem Inneren ein kreisrundes lagunenartiges
Naturschwimmbecken. Nur ein enger Kanal schafft eine Verbindung mit dem
Meer.
Lagoa do
Congro

Miradouro do Castelo Branco

Von der zinnenbekrönten Plattform genießen wir
einen grandiosen Rundumblick über Vila Franca do Campo bis hin zum malerischen
Tal von Furnas.
Tal von Furnas



Wir sind froh, im dazugehörigen Hotel "Terra
Nostra" untergebracht zu sein, denn so können wir zu jeder Tages- und
Nachtzeit den Park und das Pool frei betreten. Es ist einfach paradiesisch, die
erlebnisreichen Tage im heißen Wasser unter dem unendlichen Sternenhimmel ausklingen
zu lassen.

Die vulkanischen Aktivitäten zeigen sich auch
am östlichen Ende des Dorfes, bei den so genannten Caldeiras. Ein beißender
Schwefelgeruch liegt in der Luft und dampfende Fumarole zischen vor sich hin.
98 Grad Celsius heißes Wasser brodelt in einer der Quellen, daneben blubbern
Schlammtöpfe. Jede der Caldeiras hat einen eigenen Namen und soll bei
verschiedensten Erkrankungen, wie z.B. Kreislaufstörungen, Magenbeschwerden
oder Rheuma helfen. Einige der mineralhältigen Quellen sind kühl genug, um
getrunken werden zu können.
Etwas oberhalb des Dorfes liegt der
gleichnamige See Lagoa das Furnas. Er ist der Zweitgrößte der Insel und liegt
in einem Landschaftsschutzgebiet.
Auch hier zeigen sich die enormen vulkanischen
Kräfte, denn es zischt und brodelt aus zahlreichen Erdspalten. Diese Caldeiras
werden zu einem außergewöhnlichen Zweck genutzt. Vormittags wird ein Kochtopf
mit Fleisch, Würstchen und Gemüse in zuvor ausgegrabene Erdlöcher versenkt.
Dort kocht er mehrere Stunden vor sich hin, bis die Zutaten butterweich sind.
Dieser Eintopf heißt "Cozido das Furnas" und gehört zu den
kulinarischen Spezialitäten der Insel.
Den besten Ausblick auf den See genießen wir anschließend
vom Aussichtspunkt "Pico do Ferro", einer 570 Meter hohen Bergspitze
westlich von Furnas.
Osten
Dünn besiedelt und zerklüftet durch Schluchten
und hohe Bergrücken präsentiert sich der Osten Sao Miguels.
Hübsche Ortschaften wie Nordeste oder Maia
laden zum Verweilen ein. Einsam thront der Leuchtturm von Maia auf einem Felsen
hoch über der tosenden See. Auch der künstliche Wasserfall und die restaurierte
Mühle im lieblichen Flusstal Ribeira dos Caldeiroes
bei Achada sind einen Besuch wert.

Leider beginnt es zu regnen, sodass der
geplante Spaziergang durch die matschigen Teefelder äußerst kurz ausfällt.
Bevor wir weiter in östliche Richtung fahren,
machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Lagoa de Sao Bras. Dieser sehr
abgelegene Kratersee liegt idyllisch am Fuße eines dichten Nadelwaldes. Kaum
nähern wir uns dem Gewässer, werden wir schon von einer Horde neugieriger Enten
belagert. Die Tiere sind sehr zutraulich und lassen sich nicht vom strömenden
Regen abhalten.
Ein traumhafter Aussichts- und Picknickplatz
ist der Ponta da Madrugada. Die Landschaft wirkt wie ein farbenprächtiges
Gemälde mit leuchtenden Blumen, dem tiefblauen Ozean und dem dunklen Grün der
Hügel.
Nahe der Stadt Povoação wurde 2004 eine alte Weizenmühle restauriert und in ein anschauliches Museum - das Museu do Trigo - umgewandelt Hier soll die Erinnerung an alte Traditionen und Handwerke am Leben gehalten werden.. Bis auf das Wasserrad ist alles noch im Originalzustand erhalten geblieben. Wir bekommen eine interessante Führung durch die Räumlichkeiten der Mühle und fühlen uns in alte Zeiten zurück versetzt.
Inselmitte
Eine raue Panoramastrasse schmiegt sich an die
Berghänge und führt vorbei an Schluchten und Wasserfällen. In Lombadas gab es
einst eine Abfüllanlage für Mineralwasser. Die Fabrik wurde jedoch 1999 von
einem Hochwasser zerstört. Die Natur holt sich nun langsam auch noch die
spärlichen Überreste des Gebäudes zurück. Die gefasste Quelle ist jedoch noch
vorhanden und versteckt sich hinter Büschen in einem urwüchsigen Moorgebiet.
Einst wurde dem Mineralwasser sogar Heilwirkung nachgesagt und es galt daher
als bestes der Insel. Das frische Nass schmeckt wirklich hervorragend!
Ein urwüchsiges Paradies ist das Gebiet Caldeira
Velha. Inmitten des Dickichts mit meterhohen Farnen verbirgt sich ein
Thermalwasserfall.
Ein tolles Erlebnis - denn wer kann schon von
sich sagen, einmal unter einem warmen Wasserfall geschwommen zu sein? Auch
flussabwärts wurde das Wasser zu einem Becken gestaut und lädt zum Plantschen
ein.

Nord- und Westküste
Viele Gesichter zeigt auch die Nordküste der
Insel. Schroffe Felswände, nette Fischerdörfer und malerische Aussichtspunkte
wechseln einander ab. Natürlich ist es auch hier überall grün, jedoch dürfte
das Klima rauer sein und der Ozean brandet mit lautem Tosen gegen die
Klippen.
Schließlich statten wir der Likörfabrik Mulher
de Capote einen kurzen Besuch ab. Hier erhalten wir eine Führung durch das
Fabriksgebäude und eine Kostprobe von Anis- Maracuja- und Ananaslikör. Wir
erfahren, dass die Liköre zwei Jahre in Eichenfässern reifen, bevor sie
abgefüllt werden. Natürlich gibt es auch einen angeschlossenen Verkaufsshop,
ideal für Mitbringsel.

Seengebiet
Das Beste hebt man sich für den Schluss auf!
Im Westen der Insel befinden sich mehrere unvergleichlich schöne Vulkanseen.
Einer großartiger als der andere und jeder für sich ein Postkartenmotiv.
Das bekannteste und größte Gewässer Sao
Miguels ist der Lagoa des Sete Cidades, gelegen in einem riesigen Kraterbecken
von 12 Kilometer Durchmesser. Er besteht aus zwei Teilseen, dem größeren blauen
See "Lagoa Azul" und dem kleineren grünen See "Lagoa
Verde". Die beiden Teile sind durch einen schmalen Durchlass miteinander
verbunden und von fast senkrechten Kraterwänden umgeben.
Die beste Aussicht auf die Seen - inklusive
fotogener Hortensienhecken- gibt es beim "Vista do Rei", dem
Königsausblick am oberen Kraterrand. Wir haben wieder einmal riesiges Glück mit
dem Wetter. Die vorbeiziehenden Wolken spiegeln sich malerisch im 300 Meter
tiefer gelegenen Wasser.
Natürlich ranken sich um so ein einzigartiges
Naturwunder auch einige Legenden, eine davon handelt von einer Prinzessin und
ihrem Liebsten, einem armen Schäfer. Als der König von der Verbindung erfuhr,
wurden die Beiden gezwungen, sich zu trennen. So trafen sie einander ein
letztes Mal. Aus den blauen Augen der Prinzessin und den grünen Augen des
Schäfers traten bittere Tränen, die schließlich die zwei Seen bildeten und noch
heute auf das Leid der unglücklichen Liebe hinweisen.
Dieser Ort erzählt nicht nur von traurigen
Märchen, sondern auch von gescheiterter Hoffnung. Oberhalb des Aussichtspunktes
steht nämlich eine gewaltige Hotelruine aus den 1980-er Jahren. Die 5 Sterne
Anlage mit 170 Betten war nur ein Jahr lang in Betrieb. Die Gäste blieben aus,
der Betreiber ging in Konkurs.
Gleich in der Nähe liegt der kleinere Lagoa de
Santiago. Der türkisgrüne Kratersee ist von dichtem Wald umgeben und liegt tief
unter uns in einer Senke. Ein Abstieg ist nicht möglich, doch der Blick vom
Aussichtspunkt ist sehr eindrucksvoll.
Inmitten eines Naturschutzgebietes, etwa 10
Kilometer entfernt, befindet sich der Lagoa do Canario. Nebelfetzen schweben
über den dunklen Tannen dahin und lassen diesen einsamen Ort geheimnisvoll
wirken. Nur die vielen quakenden Frösche und das Vogelgezwitscher zeugen von
einer gewissen Lebendigkeit. Unserem Sohn gefällt es hier besonders gut, denn
zwischen den vielen Farnen am Ufer kann man wunderbar fangen spielen.
Die beiden stillen Seen
Lagoas das Empadadas finden wir ebenfalls abseits der Hauptroute. Auch sie sind
ein verborgener Schatz inmitten eines Waldgebietes. Das nördliche der beiden
Gewässer hat die ungewöhnliche Form einer Acht und ist umgeben von blühenden
Azaleen. Im 16 Jahrhundert bauten die Einheimischen ein Aquädukt, um das
glasklare Wasser nach Ponta Delgada zu transportieren. Die Reste der alten
Wasserleitung finden sich noch immer versteckt zwischen grünem Dickicht.
Mit diesen verwunschenen Seen endet leider
unsere fast 4-wöchige Reise auf die Inseln. Wir haben hier ein faszinierendes Paradies
auf Erden gefunden. Eine abgeschiedene Welt inmitten von Nirgendwo - ein
Sehnsuchtsziel mit Suchtfaktor.